In
der Altstadt von
Barcelona gibt (oder gab) es einen Friedhof vergessener
Bücher. So
jedenfalls will es der spanische Autor Carlos Ruiz Zafón,
der uns in
seinem grandiosen Erstling Der Schatten des Windes
an die Hand
nimmt und einführt in eine geheimnisvolle, verborgene
Erzählwelt --
ebenso, wie im Romandebüt selbst der Held Daniel Sempre von
seinem
Vater bei der Hand genommen wird. Überhaupt spiegelt sich viel
im Schatten des Windes.
Denn ebenso heißt auch das Buch, dessen letztes Exemplar
Sempre in die
Hände fällt. Von nun an lässt ihn die
Geschichte und das Schicksal
dieses Werks nicht mehr los, zumal noch andere, rätselhafte
Gestalten
sich für die Ausgabe interessieren.
Dies alles erzählt uns Der
Schatten des Windes
auf originelle, kunstvoll gebaute Art und Weise, und schließt
auch
wundervolle Schilderungen der düsteren Atmosphäre von
Barcelona von
seiner morbiden Blüte zur Jahrhundertwende bis zum Tiefpunkt
der
Franco-Ära ein. "Unter der Tischlampe tauchte ich ein in eine
Welt von
Bildern und Gefühlen", beschreibt Carlos Ruiz Zafón
die Leseerfahrung
seines jungen Helden, der mit dem Buch auf der Brust dem Gemurmel der
nächtlichen Stadt zu lauschen versteht: "Figuren, die mir so
wirklich
erschienen wie meine Umwelt, saugten mich in einen Tunnel von
Abenteuern und Geheimnissen hinein, aus dem ich nicht mehr entrinnen
mochte. Seite um Seite ließ ich mich vom Zauber der
Geschichte und
ihrer Welt einhüllen." Dem Leser von Der Schatten
des Windes wird es genauso gehen. --Stefan Kellerer